Extras zu «Freiheit» eine Theorieoper von Patrik Frank am 13.02.2016
In Freiheit – die eutopische Gesellschaft wird eine Geschichte der westlichen Kultur aus der Perspektive ihres wichtigsten Wertes Freiheit erzählt: Wie haben wir, der Westen, die Utopie Freiheit in Realität gesetzt? Wie haben wir, der Westen, Freiheit interpretiert? Es sind große Fragen, die hier gestellt werden und wir versuchen sie – selbstverständlich – nicht abschließend zu beantworten; jedoch fürchten wir uns nicht vor großen Fragen, denn wir haben gelernt: Just do it!

Ablauf
Ouvertüre
1. Akt: Freiheit als Utopie
1. Szene: Patrick Frank: Freiheit als Utopie für 3 Sprecher, Ensemble, Video, Zuspielung und live Elektronik (Ein Theoriehörspiel)
Thesen:
- Das paulinische Christentum und die Erfindung der Mission: die Geburt des Sendungsbewusstseins, DNA der westlichen Kultur
- Die positive und die negative Freiheit
- Moderne Zukunft und die Geburt der gesellschaftlichen Utopie ‚Freiheit’
- Instrumentelle Vernunft und Rationalisierung: die Geburt der Leistungsgesellschaft aus dem Geist der Freiheit
Werk im Werk: we should fight on the beaches für Ensemble, 3 Performer, Video und Zuspielung
2. Szene: Lukas Bärfuss: Der Nasenring (Vortrag)
3. Szene: Trond Reinholdtsen: Episode 6 für Ensemble und Video (Musikalische Performance)
Pause
2. Akt: Freiheit in Eutopie
1. Szene: Patrick Frank: Freiheit in Eutopie für 3 Sprecher, Ensemble, Video, Zuspielung und live Elektronik (Eine musikalische Theorieperformance)
- Bevor es beginnt
- Eutopie: Datierung und Definition
- Freiheitsbeweise
2. Szene: Slavoj Zizek: Freedom: Possible and Impossible (Vortrag)
3. Szene: Martin Schüttler: absolut return + ALPHA für Ensemble, Zuspielung und live Elektronik UND (parallel): Emanuel Schiwow: Freiheitsrechte
Abstrakt Vortrag
Der Nasenring von
Lukas Bärfuss
Noch einmal die Freiheit? Wie lange müssen wir noch über sie reden? Was könnte über die Freiheit noch zu sagen sein, was wir nicht gehört haben bis zum Überdruss? Wer hat sich denn noch nicht befreit? Die Bürger haben sich befreit, die Arbeiter haben sich befreit, die Sklaven haben sich befreit und die Frauen haben sich auch befreit. Die Ostdeutschen haben sich befreit, die Polen, die Tschechen, die Ungarn, die Rumänen, die Bulgaren – alle haben sich befreit. Die Spanier haben sich von Franco befreit, die Portugiesen von Salazar, die Ägypter von Mubarak, die Libyer von Ghaddafi, die Tunesier von Ben Ali, die Kongolesen ein paar Jahre früher von Mobutu Sese Seko, die Äthiopier von Mengistu, die Zentralafrikaner von Bokassa und die Südafrikaner ganz allgemein von der Apartheid. In Lateinamerika haben sich Argentinier und Brasilianer von der Junta befreit, in Chile von Pinochet, Panama wurde von Noriega und seinem Pockengesicht befreit, der Irak von Saddam mit dem Schnurrbart, der Balkan von Milošević und seinem Amselfelder Trauma, die Philippinen von Marcos und seiner Frau mit dem Schuhproblem, Haiti von Baby Doc, die Griechen von der Militärdiktatur. Der internationale Geldverkehr hat sich von Bretton Woods befreit, die Warenströme vom Zoll, das Telefon vom Kabel, die Cola vom Zucker, Allen Carr vom Rauchen, Keith Richards vom Heroin und Eric Clapton vom Alkohol, die Schwulen haben sich befreit, die Lesben, die Transsexuellen – und all dies in meiner kurzen Lebenszeit! Wer bleibt noch übrig? Wer kann noch nicht befreit sein? Welcher Winkel, welches Loch, welches Tal und welche Ebene? Es müsste langsam reichen. Auch die Bücher, die geschrieben, die Reden, die gehalten, die Gesetze die erlassen wurden – müsste das einem Wort, einem Begriff nicht genug sein? Die Ströme von Blut, die Leichenberge, müsste das der Freiheit nicht endlich reichen? Was ist das für eine Idee, die ebenso wenig zu definieren wie auszurotten ist, ein Begriff, den die Menschen zwar ersehnen, dessen Bedeutung sie gleichzeitig immer wieder vergessen? Vielleicht ist ihnen die Freiheit einfach nicht wichtig. Vielleicht ist die Freiheit bloß der Nasenring, an dem sie in den Kampf geführt werden. Aber von wem? Vielleicht sollen wir auf ihre Titten reinfallen, wie Delacroix sie gemalt hat. Alle rennen mit wilden Augen hinter ihr her, dabei gibt es sie überhaupt nicht. Freiheit ist eine Allegorie, eine Figur also, die etwas verschleiert. Aber was nur?
Abstrakt Vortrag
FREEDOM, POSSIBLE AND IMPOSSIBLE
von Slavoj Žižek
In our global capitalist universe, possible and impossible are distributed in a strange way, both simultaneously exploding into an excess. On the one hand, in the domains of personal freedoms and scientific technology, the impossible is more and more possible (or so we are told): “nothing is impossible,” we can enjoy sex in all its perverse versions, entire archives of music, films, and TV series are available for downloading, going to space is available to everyone (with money...), there is the prospect of enhancing our physical and psychic abilities, of manipulating our basic properties through interventions into genome, up to the tech-gnostic dream achieving immortality by way of fully transforming our identity into a software which can be downloaded from one to another hardware... On the I NEED YOU LOVE other hand, especially in the domain of socio-economic relations, our era perceives itself as the era of maturity in which, with the collapse of Communist states, humanity has abandoned the old millenarian utopian dreams and accepted the constraints of reality (read: the capitalist socio-economic reality) with all its impossibilities: you cannot... engage in large collective acts (which necessarily end in totalitarian terror), cling to the old Welfare State (it makes you non-competitive and leads to economic crisis), isolate yourself from the global market, etc. (In its ideological version, ecology also adds its own I NEED YOU LOVE list of impossibilities, so-called threshold values – no more global warming than 2 degrees Celsius, etc. – based on “expert opinions.”). The reason is that we live in the post-political era of the naturalization of economy: political decisions are as a rule presented as matters of pure economic necessity – when austerity measures are imposed, we are repeatedly told that this is simply what has to be done.
So, maybe, the time has come to rearrange our notions of freedom.

Patrick Frank an der Gessnerallee 2014:
Wir sind aussergewöhnlich
Biografie Patrick N. Frank
*1975 in Rio de Janeiro/Brasilien, Klavier-, Musiktheorie-, Kompositionsstudium an der Hochschule der Künste in Zürich. Studium der Kulturwissenschaften, Philosophie und Soziologie an der Universität Luzern.
Erstes Projekt SEIN/NICHTS 2003, Aufführungen u.a. an den WorldNewMusic Days04' in Zürich. Konzert-Installation Limina in Koproduktion mit der IGNM Basel in Basel (2006), Projekt Limina 2007 im Europäischen Zentrum der Künste Hellerau, Dresden. Erste Buchveröffentlichung zum 'Projekt Limina: Indifferenz in Kunst und Kultur’ als Herausgeber und Co-Autor (mit Peter Gross, Soziologe, Harry Lehmann, Philosoph, Isabel Mundry, Komponistin, u.a.).
Projekt 'the law of quality' (2010-) mit der Produktion u.a. von Werbeclips; Projekte 'wir sind aussergewöhnlich I-III' 2012-2014 in Zürich (Gessnerallee), Berlin (Sophiensaele), Festival Tonlagen (Dresden).Uraufführung des in Arbeit befindlichen Projektes 'Freiheit' an den Donaueschinger Musiktagen 2015. Daneben Werke im Stile der Neuen Musik für verschiedenste Besetzungen.
Schreibt und veröffentlicht kulturtheoretisch gedachte Texte zur Neuen Musik. Theoretisches Interessensgebiet primär in den Themen Freiheit und Differenz. Arbeitet seit einigen Jahren an einem gesellschaftlichen Beobachtungsmodell mit den Begriffen 'Quantität' und 'Qualität'.
Frank sieht in der Verbindung von Kunst und Theorie aktuell seine grösste Herausforderung. Seit dem Projekt 'wir sind aussergewöhnlich' wird diese Aufgabestellung explizit erprobt.
Ein weiteres Projekt Franks ist die Webplattform 'Voice Republic', die er mit seinem Cousin Ole Kretschmann 2014 online stellte. Voice Republic sieht sich als erste Plattform für das gesprochene Wort. Verschiedenste Sprechformate – vom Vortrag, Debatte, Diskussion bis zur Lesung – sind im Archiv gespeichert und verfügbar. Zudem kann jeder seine 'Sendung' live streamen (broadcast) oder hochladen. Konferenzen wie die re:publica bis zu den Darmstädter Ferienkursen haben ihre Vorträge live gestreamt und archiviert. voicerepublic.com hat seine Standorte in Zürich und Berlin.
2005, Preisträger des Werkjahres der Christoph-Delz Stiftung, Basel.
2006, Förderung des Projektes Limina durch die Bundeskulturstiftung/D.
2007, Preisträger des Werkjahres für Komposition der Stadt Zürich.
2010, Preisträger des Kunstpreises Zollikon.
2012, BEST OF 2012, Innovationspreis-IT, Kategorie Web 2.0 & Social (mit KluuU, Vorgänger Vocie Republic).
Arbeitet als Projektentwerfer, Komponist und Kulturtheoretiker in Zürich. Mitgründer und 'CEO' von www.voicerepublic.com. Ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theorie der Hochschule der Künste Zürich. Betreibt nebenher den einzigen analogen Photoautomaten der Schweiz in Zürich.
http://www.patrickfrank.ch/